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Aufstiegswege strukturieren

Karrieretypen

Frauen erfahren viele Begrenzungen in Bezug auf Karriere. Diese können sowohl aktiver Natur sein – also selbst gewählt – als auch passiv – d.h. fremdbestimmt. Auf verschiedene Formen von Karrierehemmnissen werden wir an späterer Stelle eingehen, zuerst soll ein Blick auf schematische Karrieretypen von Frauen geworfen werden. 

Die Wollenden aber nicht Dürfenden - Passive Verweigerung

Frauen dieses Karrieretypus werden besonders durch äußere Einflüsse begrenzt. Sie sind hervorragend qualifiziert, Potentialträgerinnen und hoch motiviert Karriere zu machen. Ihren Wunsch nach beruflichem Aufstieg artikulieren sie klar.

Trotz dieser Eigenschaften werden sie – insbesondere wenn sie Familie besitzen – nicht als potentielle Karrierekandidatinnen erachtet. Dabei sind sie sehr leistungsstark, selbstbewusst und zweifeln nicht an der Vereinbarkeit von Familie und Karriere. Sie strukturieren ihren Familienalltag und stellen eigene Bedürfnisse gerne auch zeitweise hinter Unternehmensinteressen zurück, indem sie trotz ihrer Doppelbelastung phasenweise zur Mehrarbeit bereit sind. Allein zeitliche Flexibilität ist eine Anforderung, die sie zur Erfüllung beider Rollen – Familie und Beruf - in Anspruch nehmen müssen.

Dies führt allerdings zur Ausgrenzung der Kandidatinnen. Ihre familiäre Eingebundenheit wirkt sich negativ auf ihr Karrierestreben aus. Sie werden – besonders wenn sie sich in Teilzeit befinden – nicht mehr weiter gefördert. Verweigerung von Karriere geht hier de facto nicht von den Frauen selbst aus, sondern von der Unternehmensseite. 

Die Ungläubigen - Verzicht, Begrenzung, aktive Verweigerung

  Frauen dieses Typus fallen ihren Vorgesetzten keineswegs negativ auf. Sie erzielen ebenso überdurchschnittliche Leistungen und weisen eine hohe fachliche Kompetenz auf genau wie andere Karrierekandidatinnen. Sie kommunizieren allerdings kein oder nur geringes Karrierestreben.

Die Gründe hierfür liegen darin, dass

  1. die Frauen nicht an eine Vereinbarkeit von Familie und Karriere glauben. Sie entscheiden sich daher trotz ihrer Qualifikationen und Eignungen – deren sie sich selbst bewusst sind – contra Karriere, pro Familie (Verzicht)
  2. die Frauen ihren Karriereweg schon früh auf festgelegte Entwicklungsschritte begrenzen. Diese Begrenzung stellt einen Kompromiss zwischen Karriere und Familie dar. Weiterführende Karriereschritte erscheinen ihnen nicht mehr praktikabel und werden daher exkludiert. (Begrenzung)
  3. Frauen Karriere aus unspezifischen Gründen ablehnen. Die Entscheidung ist nicht familienbasiert sondern aufgrund verschiedenster subjektiver Kriterien getroffen worden. Sie kann durchaus temporärer Natur sein. 

Die Akkuwunder mit (scheinbar) jeder Menge Energie – Herkulische Karriere

Frauen dieses Typs unterscheiden sich scheinbar nur marginal von Frauen, die eine passive Karriereverweigerung erleben. Allerdings sind sie wahre Strukturierungs- und Reduzierungsexpertinnen. Strukturierung bei Familien und Beruf, Reduzierung bei eigenen Bedürfnissen.

Trotz Kindern gelingt es ihnen durch umfassendste Vorplanung im beruflichen wie auch im privaten ihren Zeiteinsatz für das Unternehmen auf einem sehr hohen Level zu fahren. Strukturierung geht bei ihnen aber mit einer drastischen Reduzierung des Privaten einher. Soziale Kontakte oder persönliche Bedürfnisse werden auf ein Minimum reduziert.

Dieses System – wenn auch lange funktional – gleicht einem Kartenhaus, welches Unmengen an Kraft zur Instandhaltung erfordert. Nicht vorplanbare Ereignisse, beruflich oder privat, können zu einem kompletten Einsturz führen. Entgegengesteuert wird oftmals mit noch intensiverem Kräfteeinsatz. Hier ist physischer und psychischer Verschleiß oft nur eine Frage der Zeit. Charakteristisch für diese Frauen ist ein hohes Arbeitsvolumen trotz Familienbindung oder die sehr frühe Erfüllung eines Kinderwunsches vor Aufnahme des Berufslebens.

Barrieren ergeben sich für diese Frauen in vielerlei Hinsicht. Durch ihre zur Zielerfüllung stark strukturierte Arbeitszeit erleben sie weniger soziale Kontakte in den Unternehmen und erfahren daher einen begrenzten Informationsfluss. Weiterhin wirkt sich ihre verminderte Arbeitszeit – trotz ihrer hohen Doppelbelastung – hinderlich auf ihre Karriere aus.

Belohnt wird in ihrem Fall nicht Systematisierung, Strukturierung und Qualifizierung von Arbeitszeit, honoriert wird stattdessen quantitativer Einsatz. Kollegen mit einem höheren Arbeitszeitkontingent – explizit ist hier nicht von Arbeitsleistung die Rede – vollziehen schneller und weitreichender Karriere.

Die Karriere-Maschinen – Hart und Rational – Fokus-Karriere

Frauen dieses Karrieretypus erfahren in der Öffentlichkeit ein meist negatives Imagebild. Obwohl nicht selten erfolgreich, werden sie, überspitzt gesagt, als Terminatrix der Karrieretypen empfunden. Sie gelten als emotionslos, analytisch, erfolgsorientiert, hart und rational. Diese Eigenschaften werden – insbesondere von Männern - als reziprok zum klassischen Frauenbild empfunden und kritisiert.

Bei intensiver Betrachtung zeigt sich allerdings, diese Eigenschaften sind durch eine männlich dominierte Karrierewelt impliziert. Die Vertreterinnen dieses Typs entwickeln früh die Überzeugung, dass ihnen Karriere mittels Charakteristiken, die dem klassischen Frauenbild entsprechen – kommunikationsbewusst, verständnisvoll, emotional, abwägend –, verwehrt bleiben wird. Sie begreifen die Karrierewelt als Spiel von Männern und passen sich diesen Regeln entsprechend an.

Gleichwohl erleben sie hierdurch eine doppelte Rollenkritik. Werden Frauen mit weiblichen Charakteristiken als nicht führungsfähig angesehen, so werden sie nach Anpassung an männliche Strategien als nicht mehr weiblich wahrgenommen und ebenfalls diffamiert. (Das bestätigt eine vom KIT 2015 veröffentliche Studie: 66 Prozent aller Frauen wurden schon in irgendeiner Form aufgrund ihres Geschlechts im beruflichen Umfeld diskriminiert.)

Frauen mit fokussierter Karriere entscheiden sich gegen einen Kinderwunsch – überwiegende Anzahl - oder sie leben in einem familiären System mit vertauschten Geschlechterrollen. Besonders im ersten Fall ist ihr Leben oft von Isolation geprägt. Im Beruf erleben sie Ablehnung, im privaten Bereich existiert keine Familie zur mentalen Unterstützung. In jungen Jahren oftmals noch minder problematisch wird die Kontaktarmut mit steigendem Alter immer stärker als Belastung wahrgenommen. 

Zudem sehen sich kinderlose Frauen mit fokussierter Karriere in der letzten Stufe vor dem Top-Management einer fast unüberwindbaren Barriere gegenüber, denn hier gilt als conditio sine qua non: oberste Führungsebene ist nur mit familiärem Background erreichbar. Im Klartext: Keine Führung auf oberster Instanz ohne Heirat und Kinder. Hier werden konservative Werte gepflegt! Für Frauen mit fokussierter Karriere ist dies natürlich fatal und spätestens jetzt zeigt sich: Du kannst nach ihren Regeln spielen aber gehörst dennoch nicht dazu! Das ist traurig!

Unterstützer

Das Projekt wird durch das Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Tourismus Baden-Württemberg gefördert.