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Aufstiegswege strukturieren

Kaminkarriere

Kaminkarrieren beschreiben den traditionellen Aufstiegsweg in deutschen Unternehmen. Karriere wird hier über mehrere Stufen in einem relativ eng definierten Rahmen vollzogen. Charakteristisch ist üblicherweise die enge Anbindung der Aufstiegschancen an den eigenen Fachbereich. Bei diesem Modell ist die fachliche Kompetenz eine der wichtigsten Komponenten für einen beruflichen Aufstieg. Die Eigenschaft zu Führen und zu Leiten, auch fachunspezifisch, hat in den unteren Führungsebenen kaum Gewicht.

Typischerweise werden erste Karriereschritte innerhalb der eigenen Abteilungen vollzogen. Eher untypisch im Modell der Kaminkarriere sind Wechsel oder Querbewegungen auf gleicher Führungsebene.

Die Identifizierung und Förderung von Karrierekandidatinnen und Kandidaten ist ebenfalls abteilungs- und fachbereichsspezifischen und subjektiven Kriterien unterworfen. Ein Austausch über potentielle Karrierekandidatinnen findet zwischen Vertretern verschiedener Abteilungen nur bedingt bis gar nicht statt. Dies bedeutet konkret, dass Führungspersonen mit weitgehend autonomen Entscheidungen Karriere ermöglichen oder verhindern. Besonders Leistung, Betriebszugehörigkeit und nicht zuletzt soziales Vertrauen bzw. Sympathie sind hier ausschlaggebend. Karriere ist somit neben fachlicher Eignung viel zu häufig an emotionsbasierte Entscheidungen der übergelagerten Führungsebene gekoppelt.

Auch ein Talentepool garantiert nicht zwingend ein objektiviertes Auswahlverfahren – es hängt stark davon ab, wie im Unternehmen die Auswahlkriterien definiert und gehandhabt werden.

Rotationskarriere, Matrixstruktur, Projekt- und Fachlaufbahn

Anstatt fachspezifische Spezialisierung prioritär anzusehen wie es bei der Kaminkarriere der Fall ist, setzt das Rotationsmodell auf fach- und abteilungsübergreifende Erfahrungen, die während des Aufstiegsprozesses erworben werden.

Rotation kann in diesem Fall den Wechsel zwischen Unternehmenseinheiten, Funktionsbereichen oder auch Standorten bedeuten. In welchem Maß eine Rotation stattfindet, ist in jedem Unternehmen different gestaltet. Einheitlich ist allerdings, dass Kandidatinnen und Kandidaten über die eigenen Abteilungs- und Fachbereichsgrenzen hinaus Erfahrungen sammeln müssen.

Führung ist in diesem Modell weniger ein Konstrukt speziellen Fachwissens, sondern einer breit gefächerten Basis. Hierdurch besteht die Möglichkeit Unternehmensstrukturen differenzierter wahrzunehmen und zu kombinieren. Projektlaufbahnen oder Projektmanagementkarrieren lassen sich hier gut als vergleichendes Beispiel heranziehen. 

Lassen sich derartige Wechselmodelle in allen Bereichen anwenden?

Mit Sicherheit nicht, denn es existieren auch Unternehmensbereiche die eine starke Spezialisierung erfordern. In diesem Bereich können Fachlaufbahnen die bessere Alternative zur Rotation darstellen. Man sollte sich immer vor Augen halten: nicht jedes Werkzeug eignet sich für jeden Zweck, eine Erweiterung des Werkzeugkastens kann aber niemals schaden. 

Fazit

Metaphorisch gesehen entspricht die Kaminkarriere einem begrenzten Treppenhaus. Um ein Stockwerk höher zu gelangen müssen verschiedene Stufen bewältigt werden, was außerhalb des Treppenhauses geschieht, ist aufgrund fehlender Fenster nicht ersichtlich. 

Die Rotationskarriere gleicht eher einem Stockwerk in dem Bewegungen durch die verschiedenen Räumlichkeiten vollzogen werden. Im Anschluss daran bietet sich die Möglichkeit per Lift eine Etage höher zu fahren.

Während die Kaminkarrierekandidatin, angekommen im übergelagerten Stockwerk, keine Informationen über die Struktur des darunter liegenden Gebäudes besitzt, wird die Rotationskandidatin einen dezidierteren Eindruck erworben haben. 

Unterstützer

Das Projekt wird durch das Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Tourismus Baden-Württemberg gefördert.