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Teil 1: Patriarchat heute. Die 3 Säulen der gläsernen Decke

10-07-2017 | Bärbel & Sebastian Rockstroh
Bild zum Thema
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Mit der Überzeugung, ihnen stünden alle Türen offen, steigen bestausgebildete Frauen der Generationen Y und Z ins Berufsleben ein, engagieren sich, geben ihr Bestes – und plötzlich werden Männer an ihnen vorbei befördert. Als erste Generation, die ohne jegliche Diskriminierungserwartung aufgewachsen ist, erwischt es diese jungen Frauen eiskalt, wenn sie unvorbereitet gegen die vielzitierte gläserne Decke stoßen. Sie erkennen die Karrierehindernisse nicht als strukturelle Diskriminierung, sondern werten sie als persönliches Versagen. Deshalb ist es so wichtig, dass junge Frauen begreifen: Auch im Jahr 2017 leben Sie immer noch in einer Männerwelt!

Die Strukturen, in denen wir uns bewegen, wurden in über 2000 Jahren Patriarchat von Männern für Männer aufgebaut und das bis in die jüngste Vergangenheit.  Wenn wir die Zeit nur um 100 Jahre zurück drehen, finden wir Deutschland am Ende des Kaiserreichs, also einer feudalen Struktur von Über- und Unterordnung, sprich Hierarchie. In der folgenden autokratischen Regierungsphase wurde dieses Prinzip bis in die kleinste Einheit des Zusammenlebens ausgebaut. Am Ende des zweiten Weltkriegs strömten Männer in die Verwaltungen und bauten Unternehmen auf, geprägt vom autokratischen, patriarchalen Modell. Die bis heute wirkenden Folgen stellen die 3 Säulen der gläsernen Decke dar:

Säule 1: Strukturelle Diskriminierung
Der Gesetzgeber toleriert und erhält Strukturen, die karrierewillige Frauen benachteiligen und sie damit zu Arbeitskräften zweiter Klasse degradiert, zum Beispiel:

  • Die Bezahlung in klassischen Frauenberufen liegt rund 27 % unter der in typischen Männerberufen.
  • Auch bei vergleichbarer Arbeit erhalten Frauen rund 7 % weniger Vergütung.
  • Steuergesetze wie beispielsweise das Ehegattensplitting fördern das Familienmodell der Hausfrauenehe.
  • Noch immer stehen ganztägige Kinderbetreuungsmöglichkeiten nicht flächendeckend zur Verfügung.
  • Familienarbeit wird nicht vergütet und ein Bedingungsloses Grundeinkommen ist nicht in Sicht.

Säule 2: Männlich geprägte, hierarchische Kultur in Unternehmen
Wenn eine Hälfte der Menschheit Strukturen schafft, dann gelten dort die Kommunikations- und Verhaltensregeln, die der Sozialisierung dieser Hälfte der Menschheit entsprechen, in unserem Kulturkreis die männliche. Diese ungeschriebenen „Jungsregeln“ werden den Frauen nicht beigebracht. Deshalb wissen Frauen häufig gar nicht, welcher Verhaltenskodex in Unternehmen und Verwaltungen mit einer patriarchalen Hierarchie gelten. Mehr dazu finden Sie in Teil 3 und 4 dieses Blogs.

Säule 3: Frauenfalle Sozialisierung
Sozialisierung auf die typische Frauenrolle – gibt es das heute überhaupt noch? In den 1950er und 60er Jahren waren Familienratgeber in Mode, die den Frauen en detail erklärten, wie sie den Haushalt führen und sich pflegen sollten. Dieses Frauenbild wirft seine Schatten bis in die heutige Zeit. Wenn die Sendung Germany´s next Topmodel über 3.000.000 Zuschauer*innen findet, dann wird klar: Auch heute wird kleinen Mädchen beigebracht, sich über gängige Schönheitsideale und gefällig Sein zu identifizieren, statt über Selbstwert, Intelligenz und Authentizität. Mehr zu den daraus resultierenden Karrierekillern finden Sie im Teil 5 dieses Blogs.

Zu den Autoren
Bärbel Rockstroh ist Krankenkassenbetriebswirtin und Psychotherapeutin (HPG). Sebastian Rockstroh ist Medienwirt und Psychotherapeut (HPG). Sie leiten die Firma BetterThanPossible, die aus einem Seminarhaus und der Coachingpraxis Vitarium besteht. Gemeinsam haben sie das Buch "Erfolg in Sicht – Selbstcoaching Frau und Karriere" (2012, Wiley-Verlag) geschrieben. Sie leben und arbeiten für die Vision einer (geschlechter-)gerechten Welt und unterstützen seit Jahren karrierewillige Frauen, Gleichstellungsbeauftragte und diversity-interessierte Unternehmen und Verwaltungen.

www.betterthanpossible.de
www.vitarium-rockstroh.de

Unterstützer

Das Projekt wird durch das Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Tourismus Baden-Württemberg gefördert.