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Zahlen & Fakten

Mehr Frauen in Führungspositionen durch Führen in Teilzeit?


Das Thema positive Rollenvorbilder zieht sich seit 2010 als roter Faden durch die Aktivitäten des Projekts "Spitzenfrauen in Baden-Württemberg". Und auch beim Thema „Führen in Teilzeit“ gilt offensichtlich: Wer in seinem unmittelbaren Umfeld keine Vorbilder für Führen in Teilzeit hat, berücksichtigt diese Option weniger in seiner Karriereplanung. Dabei könnte Führung in Teilzeit helfen, mehr Frauen den Weg in Führungspositionen zu eröffnen.

Frauenanteil in Führungspositionen in Baden-Württemberg

Seit 2010 haben sich die Rahmenbedingungen für Frauen in Führungspositionen positiv verändert: Elternzeit für Männer und Frauen, Ausbau der Kita-Plätze und der Ganztagesschulen,  Quotenregelung für die Aufsichtsratsmandate, Veränderungen in der Unternehmenskultur hin zu flacheren Hierarchien, Fachkarrieren nehmen an Bedeutung gegenüber klassischen Kaminkarrieren zu. Vereinzelt finden sich auch in den klassischen baden-württembergischen Unternehmen wie Daimler weibliche Vorstände. Dennoch haben die besseren Schul-und Hochschulabschlüsse der Frauen nicht dazu geführt, dass sich die höhere Frauenerwerbsbeteiligung auf alle Hierarchie-Ebenen gleichmäßig verteilt.

Dies gilt vor allem für die erste Führungsebene: laut IAW Kurzbericht 4/2017 waren in Baden-Württemberg 45% aller Beschäftigten Frauen (Bezugsjahr: 2016), es finden sich aber nur 27% Frauen auf der ersten Ebene. Insgesamt scheint sich dies nur langsam zu entwickeln, denn im Jahre 2004 lag der Frauenanteil hier auf der Basis desselben IAB Betriebspanels bei 24%. Dafür gibt es keine monokausalen Erklärungen, die Gründe für den Mangel an Frauen in Führungspositionen sind vielfältig. Gesellschaftliche und historisch gewachsene Faktoren spielen eine Rolle, nach wie vor sind auch unternehmenskulturelle Faktoren dafür verantwortlich sowie Einstellungen und Verhaltensweisen von Frauen und Männern.


Frauen profitieren von Führung in Teilzeit

In einer Studie des Instituts der Deutschen Wirtschaft (IW-Report 14/2018, Frauen in Führungspositionen) wurde festgestellt, dass Führen in Teilzeit signifikant positiv korreliert mit dem Frauenanteil in Leitungsfunktionen.  In Unternehmen mit in Teilzeit tätigen Führungskräften sind Frauen sowohl unter den Beschäftigten, in den Bewerberpools als auch unter den Führungskräften stärker vertreten.


Familienkonstellation für Frauenkarrieren entscheidend

Im IAB-Kurzbericht 13/2018 werden die tatsächliche sowie die gewünschte Arbeitszeit von Männern und Frauen in Abhängigkeit der Haushaltskonstellation analysiert. Frauen zwischen 18 und 60 Jahren würden gerne durchschnittlich 28 Stunden arbeiten, Männer 35 Stunden. Bei Frauen unterscheidet sich dann nochmals der Arbeitszeitwunsch in Abhängigkeit von der Familienkonstellation deutlich, bei Männern dagegen kaum. Die geringste Wochenstundenzahl nennen in einer Partnerschaft lebende Frauen mit Kindern zwischen drei und sechs Jahren: Sie würden gerne 22 Wochenstunden arbeiten.

Das bedeutet, dass offensichtlich für viele Frauen - insbesondere im Zusammenhang mit der familiären Situation - der Wunsch nach Arbeitszeitreduktion vorhanden ist, gleichzeitig aber die vorherrschende Meinung ist, dies würde eine Führungsposition ausschließen.

Erschwerend kommt hinzu, dass es nach wie vor eine ganze Reihe von pauschalen Vorurteilen gegen Teilzeit bei Führungskräften gibt: Aufgabenumfang bei Führungskräften nicht teilbar, umfassende Präsenz für Mitarbeiter, Mehraufwand an Absprachen und Koordination oder auch höhere Kosten.

Die Frage ist nicht ob, sondern wie?

Brigitte Abrell stellt in ihrem Buch „Führen in Teilzeit“ (Abrell 2015) fest, dass es nicht um die Frage geht, ob Teilzeit für eine Führungskraft möglich ist, sondern um die Frage, ob ein geeignetes, individuelles Teilzeitmodell gefunden werden kann. Dabei gilt es die betrieblichen Belange mit den individuellen Bedarfen zu koordinieren. Dafür gibt es eine Vielzahl von Modellen, bei denen die Arbeitsreduktion fest oder flexibel auf die Arbeitstage verteilt werden kann, mit oder ohne Home-Office-Anteilen etc.

Eine weitere Variante ist das Topsharing, bei dem sich zwei Führungskräfte eine Management-Position teilen. Entscheidend für den Erfolg dieses Modells ist es jedoch, dass sich geeignete „Paare“ finden, die sich eine oder manchmal auch eineinhalb Stellen teilen.

Résumé

Führen in Teilzeit bedeutet nach wie vor, dass sowohl der Arbeitgeber als auch die Führungskraft neues Terrain betreten. Beide Seiten müssen von diesem Weg überzeugt sein, die neu definierte Aufgabenteilung muss gelebt und laufend überprüft werden, die Mitarbeiter müssen rechtzeitig und umfangreich eingebunden werden und nicht zuletzt müssen auch die Vorteile der Regelung kommuniziert werden.

In unserer Interviewreihe wollen wir einen Beitrag dazu leisten, Führung in Teilzeit stärker in den Fokus zu rücken und an verschiedenen Modellen und Beispielen zu zeigen, welche Vorteile damit verbunden sein können. Dies soll Frauen und Männern ermutigen diesen Weg zu gehen in der Überzeugung, dass dies ein weiterer Baustein für mehr Frauen in Führungspositionen ist.

Unterstützer
Das Projekt wird durch das Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau Baden-Württemberg aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds (ESF) und des Landes Baden-Württemberg unterstützt.