Skip to main content

"Die aktuelle Situation ermöglicht Innovationen"

Zweiter digitaler Spitzenfrauen Business-Lunch “Führen aus dem Homeoffice“

Nach inzwischen vier Wochen Lockdown aufgrund der Corona-Pandemie sind sich die drei Spitzenfrauen in Baden-Württemberg Claudia Gläser, Univ.-Prof. Dr. Marion Weissenberger-Eibl und Andrea Stratmann einig: Vieles ist nun schneller möglich, was zuvor intensive Diskussionen entfacht hätte. Dabei raten sie Führungskräften zu mehr Gelassenheit, auch wenn gerade nicht alles planbar ist, wie gewohnt. Beim zweiten digitalen Business-Lunch tauschten sich erneut Spitzenfrauen über ihre Erfahrungen zum Thema Führung aus dem Homeoffice aus.


Für Univ.-Prof. Dr. Marion Weissenberger-Eibl war der kollektive Umzug ins Homeoffice kein riesiger Sprung ins kalte Wasser. Die Spitzeningenieurin leitet das Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung ISI in Karlsruhe, ist Inhaberin des Lehrstuhls für Innovations- und TechnologieManagement am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) und Aufsichtsratsmitglied in den Gremien unterschiedlicher Unternehmen. Berufsbedingt beschäftigt sie sich tagtäglich mit Digitalisierungsthemen, Innovationsfragen und Zukunftstechnologien. Inzwischen hat sie für die verschiedenen Sitzungen die meisten Videokonferenztools am Markt bereits verwendet. Am meisten fehlt ihr trotz aller technologischer Möglichkeiten der Austausch Face-to-face mit ihrem Team und den Studierenden.

Claudia Gläser war aus ihrem Büro zugeschaltet. Reiner Homeoffice-Betrieb ist in der Produktion der Gläser GmbH nicht möglich. Doch die Geschäftsführerin und IHK-Präsidentin hat die Abläufe so optimiert, dass der Betrieb möglichst reibungslos weitergehen kann, ohne dass sich die Mitarbeitenden begegnen müssen. Für ihren mittelständischen Betrieb ist durch die Krise ein weiterer Schub für die bereits im Unternehmen angelegte Digitalisierung entstanden, es ist eine größere Akzeptanz der Mitarbeiter für dieses Thema zu beobachten.

Das Einfinden in die neuen Abläufe sei nicht die größte Herausforderung, sondern vielmehr das Etablieren neuer Routinen. Nun, da die kurzen Pausen durch Gänge zur Kaffeemaschine, Raumwechsel zur nächsten Besprechung o.ä. wegfallen, sei es umso wichtiger, dass man sich bewusst kurze Pausen gönnt, so Weissenberger-Eibl. Ein ganzer Tag mit Headset in virtuellen Besprechungen sei viel anstrengender und es fehlten Nebengespräche, in denen man nicht konzentriert auf ein Besprechungsziel hinarbeitet, fügt Claudia Gläser hinzu.

Andrea Stratmann ist Geschäftsführerin der Gemeinnützigen Werkstätten und Wohnstätten (GWW), die in den Landkreisen Böblingen und Calw Wohn- und Arbeitsplätze für Menschen mit Behinderung zur Verfügung stellen. Momentan sieht sich die GWW neben den üblichen Hilfe- und Betreuungsleistungen auch neuen Aufgaben gegenüber: So wird in den Werkstätten in Zusammenarbeit mit Philips unter anderem an der Produktion von Medizingeräten gearbeitet und das Besteck für sieben Krankenhäuser desinfiziert. 250 Ehrenamtliche bieten den behinderten Personen über das Internet unterschiedliche Hilfen und Beschäftigungsmöglichkeiten an.

Das soziale Miteinander wächst, doch dahinter steckt auch ein großer zusätzlicher Koordinationsaufwand. Und das beginne bereits beim daily business, wie Marion Weissenberger-Eibl berichtet. Statt der sonstigen Monatsmeetings findet die Abstimmung mit den Führungskräften inzwischen wöchentlich statt. „Anfangs haben wir uns fast täglich getroffen“, berichtet sie. Claudia Gläser nickt zustimmend, nicht nur im Vertrieb erfolgt die Abstimmung nun sehr engmaschig. Und genau darauf komme es auch an – da sind sich die drei Führungsfrauen absolut einig – Information und Transparenz seien die wichtigsten Instrumente, um den Beschäftigten Sicherheit zu vermitteln. Das gelte beidseitig: Die Mitarbeitenden nach ihren Bedenken und Herausforderungen zu fragen gehöre ebenso dazu wie Unsicherheiten von Unternehmensseite offen an alle zu kommunizieren. Gleichzeitig gelte es aber, deutlich zu machen: ‚Wir bereiten uns aktiv auf die neue Situation vor‘.

Und obwohl vieles gerade unklar ist, Unternehmen „auf Sicht fahren“, wie Claudia Gläser es treffend formuliert, sei doch eine neue Dynamik, Experimentierfreude und Offenheit auf allen Seiten spürbar. „Es wäre schön, wenn wir uns diese neue Wertschätzung gegenüber der Mentalität des Anpackens beibehalten können“, antwortet Marion Weissenberger-Eibl auf die Frage, was die Menschen im Umgang mit Unsicherheiten lernen können. „Zum Glück können einmal gemachte Erfahrungen nur schwer zurückgenommen werden“, fügt Andrea Stratmann hinzu.

Ein inspirierender Austausch dreier Topführungskräfte aus den unterschiedlichsten Branchen, bei dem Herausforderungen, aber ganz besonders auch die Chancen dieser außergewöhnlichen Zeit deutlich wurden.

Unterstützer
Das Projekt wird durch das Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau Baden-Württemberg aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds (ESF) und des Landes Baden-Württemberg unterstützt.