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"Wir müssen mehr HeldInnengeschichten erzählen!"

Kaminabend mit Britta Seeger, Mitglied des Vorstands der Daimler AG und Mercedes-Benz AG, verantwortlich für den Vertrieb

Ein kleiner Kreis von Teilnehmerinnen der Community von Spitzenfrauen BW kam am Mittwoch, dem 11. März 2020, im JOINT THINK! TANK der Daimler AG "Im Wizemann" in Stuttgart zusammen, um sich in lockerer Atmosphäre beim Kamingespräch mit Britta Seeger (Mitglied des Vorstands der Daimler AG und Mercedes-Benz AG, verantwortlich für den Vertrieb) auszutauschen. Im Gespräch mit Frau Prof. Dr. Burkhardt-Reich, Projektleiterin von Spitzenfrauen BW, und den anwesenden Gästen erzählte Britta Seeger von ihrem Karriereweg, der sie bis in den Vorstand des Daimler Konzerns führte, und begeisterte dabei alle Anwesenden - mit geradezu ansteckender Leidenschaft für ihren Beruf, großer Offenheit und jede Menge positiver Energie.

Dr. Birgit Buschmann (Leiterin des Referats Wirtschaft und Gleichstellung im Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau Baden-Württemberg) konnte ebenfalls am Kaminabend teilnehmen. Mit Blick auf das Thema Frauenkarrieren machte sie bei der Begrüßung klar: In den letzten Jahren habe Baden-Württemberg mit einem Frauenanteil von 41 Prozent in der zweiten Führungsebene (IAW Tübingen) zwar viel erreicht, doch es bliebe auch noch viel zu tun. Denn auf der ersten Ebene läge der Frauenanteil nach wie vor bei nur 26 Prozent - und gerade im industriellen Sektor (12,9 Prozent Frauenanteil) seien mehr Diversität und eine Vielfalt der Perspektiven in der Belegschaft besonders wichtig, um für den umfassenden Strukturwandel gewappnet zu sein. Die Ausbreitung des Corona-Virus zeige geradezu exemplarisch, wie verletzlich das baden-württembergische "Just-in-Time"-System im Kontext einer globalisierten Wirtschaft sei.

Frauen in Führung: Daimler geht positiv voran
Britta Seeger ist eine von zwei Frauen im achtköpfigen Vorstand der Daimler AG, in der Führungsebene direkt unter dem Vorstand sind es knapp 20 Prozent Frauen – eine Zahl, von der die Teilnehmerinnenrunde positiv überrascht ist. "Für diese 20 Prozent haben wir viel getan", erklärt Seeger, "denn seit 2006 lautete das Unternehmensziel 1 Prozent mehr Frauen in Führungspositionen pro Jahr!". Für Seeger ist die Frauenförderung vor allem eine Investition in die Wirtschaftlichkeit des Unternehmens und in bestmögliche Ergebnisse, die durch diversifizierte Teams entstehen. Doch der Wandel ist und bleibt eine Herausforderung, wie Seeger einräumt: "Wir müssen Personalentscheidungen immer nach dem Best Fit Prinzip treffen."

Wie wichtig Diversität ist, weiß Britta Seeger aus eigener Erfahrung. Denn als heutige Vertriebsvorständin hat ihr Karriereweg sie durch viele Bereiche des Konzerns geführt. Abschrecken ließ sie sich davon nie – und machte, wenn es um den jeweils nächsten Karriereschritt ging, auch ihren Vorgesetzten klar: "Ich traue mir das zu und ich habe Spaß an dieser Aufgabe!" Ausgetretene Pfade zu verlassen und stets Neues zu wagen – das zieht sich wie ein roter Faden durch Britta Seegers Karriere.

Nach dem Abitur entschied sie sich für ein praxisorientiertes DHBW-Studium, als Stuttgarterin lag die Bewerbung "beim Daimler" nahe. Parallel zu den ersten Karriereschritten im Marketing absolvierte Seeger eine Coaching-Ausbildung. Während ihr Mann Elternzeit machte, setzte Britta Seeger ihren Weg bei der Daimler AG im "After Sales"-Bereich fort. Gemeinsam mit ihrem Team entwickelte Seeger den Bereich weiter, sorgte für mehr Diversität und Effizienz. Nach diesem Erfolg absolviert sie weitere Karriereschritte, bis sie im Jahr 2012 das Angebot bekommt, als Direktorin für Daimler Trucks und Mercedes-Benz Pkw nach Korea zu gehen.

Karriere? Nur mit der Familie!
Innerhalb von 48 Stunden fällt sie gemeinsam mit ihrem Mann die Entscheidung: Korea, wir kommen! "In Korea sind Frauen eher selten in Führungspositionen", sagt Seeger. Das nächste Jobangebot wiederum führte Britta Seeger in die Türkei. Dort trug sie als Geschäftsführerin die Gesamtverantwortung aller Lkw- und Bus-Aktivitäten für den Vertrieb und die Produktion vor Ort. Erneut ein mutiger Schritt, den Britta Seeger mit voller Unterstützung ihrer Familie vollzog: "Für mich war immer klar, dass Familie und Job zusammengehören."

Führen heißt für Britta Seeger gestalten
Mutige persönliche Entscheidungen, ein Mann, der sie unterstützt, und Vorgesetzte, die sie gefördert haben – so fasst Prof. Dr. Burkhardt-Reich die drei vielleicht wichtigsten Erfolgsfaktoren für Britta Seegers Karriere zusammen. Doch woher nimmt die Topführungskraft, Ehefrau und Mutter von Drillingen ihre fasst unendlich erscheinende Energie? "Die entscheidende Frage war für mich immer: Habe ich Lust zu gestalten?", erklärt Seeger. Diese Lust hat sie sich bis heute erhalten und ist der Kern ihres Selbstverständnisses als Führungskraft. "Gestaltungsmöglichkeiten gibt es überall, in jedem Job", so lautet Seegers tiefste Überzeugung: "Jeder trägt Verantwortung. Führungskräfte haben zudem nochmal eine besondere Verantwortung."

Auf die Frage, wie sich junge Frauen dazu bringen lassen, sichtbarer zu werden, hat Britta Seeger keine einfache Antwort. Sie weiß, dass Frauen selbstreflektiert sind und bei der angebotenen Beförderung erst einmal sich und ihre Fähigkeiten hinterfragen, während Männer dankend annehmen und sich zufrieden zurücklehnen. Pauschalisierungen lehnt sie trotzdem ab und zieht eine klare Linie: "Wenn die Eigenpositionierung nicht da ist, wird es als Führungskraft nicht klappen." Ob Mann oder Frau, es gilt also: Wer führen will, muss präsent sein und klar kommunizieren: Ich will das und ich kann das!

"Wir können alles wollen!"
Was Britta Seeger jungen Frauen rät, ist "sich nicht den Schneid abkaufen zu lassen". Ihre Aufgabe als Führungskraft sieht sie auch darin, anderen Menschen ihre Unsicherheiten zu nehmen, indem sie selbst möglichst nahbar ist. Ihr Credo: "Ich muss immer erst einmal Menschen überzeugen." Wichtig ist es ihr deshalb, dass mehr Heldengeschichten erzählt werden und dass Transformation positiv belegt wird. Gerade mit Blick auf die Digitalisierung und den Strukturwandel in Baden-Württemberg kritisiert Britta Seeger, dass Erfolge zu wenig Aufmerksamkeit bekommen, während in den Medien alle möglichen Horrorszenarien ausgebreitet werden. Change ist Britta Seegers Element – sie hat in vielen der Bereiche, in denen sie bei der Daimler AG gearbeitet hat, den Wandel vorangetrieben.


"Ich muss mich jeden Tag aufs Neue für meinen Job entscheiden"
Wirkliche Karrierehemmnisse hat Britta Seeger auf ihrem Weg nicht erlebt. Ihre Herangehensweise hat sich aber mit der Mutterschaft verändert. Durch ihre Erfahrung ist sie pragmatischer und resilienter geworden – dazu gehört, Kritik nicht persönlich zu nehmen und Widerstände einfach zu umgehen. Mit Rückschlägen geht sie persönlich gelassen um: "Abschütteln und einen neuen Versuch starten", ist ihre Lösung.

Bei der Antwort auf die Frage, wo sie sich in zehn Jahren sieht, wird noch einmal deutlich, wie Britta Seeger für ihre Aufgaben als Führungskraft brennt und sich auf die Herausforderungen der Zukunft freut. "Mein Bereich, der Vertrieb, wird auch in den kommenden Jahren und Jahrzehnten einem Wandel unterzogen sein - langweilig wird mir da sicher nicht!" versichert sie voller Begeisterung.

Unser herzlicher Dank geht an Britta Seeger für ihre Zeit und die spannenden Einblicke in ihren Karriereweg sowie an das Team des JOINT THINK! TANK der Daimler AG für die Bereitstellung der Räumlichkeiten, die Gastfreundschaft und die tolle Unterstützung vor Ort.

Unterstützer
Das Projekt wird durch das Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau Baden-Württemberg aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds (ESF) und des Landes Baden-Württemberg unterstützt.