Skip to main content

Muss Vielfalt teuer sein? Spitzenfrauen zu Besuch bei SAP

Reger Austausch und Netzwerken beim "Executive Brunch" in Walldorf

“Building bridges, not silos“ – frei nach dem Leitsatz von SAP-CEO Bill McDermott kamen Spitzenfrauen und SAP-Führungskräfte am Freitag, den 1. Februar 2018, zum Executive Brunch im Headquarter der SAP SE in Walldorf zusammen. Nach einem Impuls von Personalchef Cawa Younosi blieb genug Raum für einen offenen Austausch über Frauen in Führungspositionen, Vielfalt und Chancengleichheit am Arbeitsplatz.

Vielfalt, so betonte Julia Pfalzgraf, Diversity Lead Germany, hat bei SAP eine große Bedeutung und sie funktioniert nur mit einer aktiven Unternehmenskultur. Was das Unternehmen dafür alles tut, schilderte Cawa Younosi, Head of Human Resources Germany und Mitglied der Geschäftsführung SAP Deutschland in seinem Impuls Wie wir wurden was wir sind - SAP Doch.

Vielfalt ist vor allem Überzeugungssache

Younosi ist seit Jahresbeginn 2018 HR Director Germany. Vielfalt und Chancengleichheit liegen dem gebürtigen Afghanen, der als 14-Jähriger nach Deutschland flüchtete, besonders am Herzen: "Meine Mission und Vision ist, dass wir eines Tages die Abteilung Diversity & Inclusion nicht mehr benötigen, da der berufliche Alltag von Chancengleichheit für alle bestimmt ist." Sein Motto klingt dabei fast schon ein wenig trotzig: ‘SAP Doch‘ steht für ‘doch, wir kriegen das hin‘. Das heißt auch, dass bei SAP vieles ausprobiert wird. Was sich in der Praxis bewährt, bleibt: Vertrauensarbeitszeit statt Stechuhr, Mobilarbeit statt Anwesenheitspflicht, "Dinner to go", Fitness-Kurse, Social Sabbaticals oder Fellowships – als Konzern mit über 95.000 Mitarbeitern und einem Jahresumsatz von inzwischen deutlich über 20 Milliarden Euro kann SAP hier aus den Vollen schöpfen. Ressourcen, so warf Spitzenfrau Beate Irmer, Geschäftsführerin des Spiegel Institut Mannheim GmbH & Co. KG, ein, über die nicht jedes Unternehmen verfügt.

Menschen brauchen positive Rollenvorbilder

Dass das SAP-Modell zu funktionieren scheint, zeigt das Beispiel von Spitzenfrau Christine Regitz, Vice President User Experience und Mitglied des Aufsichtsrats SAP SE. "Ich konnte mir nie vorstellen, so lange bei einem Unternehmen zu bleiben, weil ich vom Typ her eigentlich immer wieder gerne etwas Neues ausprobiere", so Regitz. Inzwischen ist sie 25 Jahren im Unternehmen, langweilig sei es ihr dabei nie geworden. Besonders wichtig seien außerdem positive Rollenvorbilder, betont Regitz. Schon als Kind habe sie wissen wollen, wie Dinge funktionieren. Ihr Großvater sei ihr als Handwerker ein wichtiges Vorbild gewesen. Heute ist Christine Regitz selbst Vorbild für andere Frauen und ermutigt als Spitzenfrau in Baden-Württemberg weibliche Nachwuchskräfte zur Karriere, besonders im MINT-Bereich.

Bei Frauen in Führung noch Luft nach oben

Was Frauen in Führungspositionen angeht, gibt es im Unternehmen durchaus noch Luft nach oben. Weltweit sind es bei SAP 25 % Frauen in Führungspositionen, bei SAP Deutschland liegt die Quote mit 19,0 % aber noch deutlich darunter. Entscheidende Bausteine sind hier laut Younosi die Gleichwertigkeit von Fach- und Führungslaufbahn, die Möglichkeit zur Führung in Teilzeit oder in Tandems und eine hohe Transparenz bei der Vergabe von Führungspositionen. Auch für SAP ein Problem: Gerade in Deutschland fehlen nach wie vor Frauen, die in MINT-Berufen arbeiten. SAP-Mitarbeiterin Tamara Hofer fehlen vor allem Rollenvorbilder für die vielen Zwischenschritte auf der Karriereleiter: Vor der Familiengründung war sie als Vertriebsleiterin Mittelstand bei SAP Deutschland SE. Doch als Mutter zweier kleiner Kinder sehe sie sich aktuell nicht mehr in der Lage, den Anforderungen einer Führungsposition gerecht zu werden. Inzwischen fördert SAP aktiv die Führung in Teilzeit und spannt aktiv Führungs-Tandems in Teilzeit zusammen.

Management muss loslassen lernen

Spitzenfrau Brigitte Hapka, Director Operations bei der Single Temperiertechnik GmbH, rät Unternehmen dazu, mutiger zu sein und gerade bei der Besetzung von Führungspositionen alte Muster zu verlassen. Sie selbst sei das beste Beispiel dafür, dass das Experiment gelingen kann. Mit ihrem kaufmännischen Hintergrund füllt sie erfolgreich eine Position aus, die traditionellerweise einen Ingenieurshintergrund verlangt.

Am Ende sei die Förderung von Diversity und Chancengleichheit im Unternehmen, davon ist Cawa Younosi überzeugt, keine Frage des Geldes z.B. für teure Sport-Programme. Entscheidend sei das richtige Mindset. In seinem Fall heißt das: Potenziale und Skills sehen anstatt auf Portfolio und Zeugnisse zu pochen, alte Denkweisen hinter sich zu lassen und neue Wege zu suchen, in den offenen Austausch mit den MitarbeiterInnen zu treten und so Vorurteile und Widerstände abzubauen. Ganz ohne Reibungswiderstände funktioniert das übrigens auch bei SAP nicht: Tun sich Führungskräfte schwer mit der Umsetzung, greift der Personalchef gerne selbst zum Telefonhörer und sucht das persönliche Gespräch.

Wie wichtig und bereichernd ein offener und persönlicher Austausch ist, zeigte auch der Executive Brunch von Spitzenfrauen BW und SAP SE in Walldorf. Wer nach spannenden zwei Stunden noch Zeit und Lust hatte, den Austausch fortzusetzen, hatte mit dem nachfolgenden Workshop "Digitalisierung im Mittelstand" noch Gelegenheit, mit SAP-Mitarbeiterinnen und Mitgliedern der Spitzenfrauen-Community intensiv über die Chancen und Herausforderungn der Digitalisierung zu diskutieren.

 

Text: Spitzenfrauen-BW / Bilder: Florian Füger, SAP SE

Unterstützer
Das Projekt wird durch das Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau Baden-Württemberg aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds (ESF) und des Landes Baden-Württemberg unterstützt.