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Eine etwas andere Einleitung - für ein etwas anderes Wirtschaften.

18-05-2015 | Markus Koch
Bild zum Thema

Als vor einigen Monaten der sicher vielen bekannte Alternativmediziner und Autor Rüdiger Dahlke in der Sendung Leute im SWR Radio zu Gast war, meinte er ganz unverhohlen, dass es ja wenig echtes verantwortliches Handeln da draußen gäbe, auch unter den sogenannten Eliten der Wirtschaft und Politik.

Ich denke, man kann dies auf eine gewisse Weise gut nachvollziehen, wenn man regelmäßig die Nachrichten verfolgt. Denn trotz der vielen Lippenbekenntnisse aus allen Ecken der Gesellschaft scheint es nicht wirklich besser zu werden mit den entsprechenden Auswüchsen bzw. den Kennzahlen, die das soziales Miteinander, den Umweltschutz und die Befriedungssbemühungen - auch auf den Finanzmärkten - widerspiegeln. Zumindest jedenfalls nicht, wenn man die größeren und komplexeren Zusammenhänge und Statistiken einmal an sich herankommen lässt.

Jeder einzelne von uns kann dies jederzeit auch bei sich selbst immer wieder überprüfen, als Teil einer Gesellschaft, welche ja vom Ressourcenverbrauch und vom CO²-Fußabdruck her gesehen aktuell mehrere Planeten verbraucht. Gründe dafür sind momentan noch die Komplexität der Zusammenhänge und die Fähigkeit des Menschen, Unangenehmes zu verdrängen, aber vor allem auch immer wieder der erschwingliche und ja nur einen Teil der wahren Kosten abbildende Preis unserer Güter und Dienstleistungen. Die spürbar immer dringendere Übernahme von Verantwortung dafür wird allerdings weiterhin überproportional den nächsten Generationen aufgebürdet.

In ihrem erst kürzlich gegebenen Interview vom 19.04. im DLF Radio hat die Wirtschaftshistorikerin und taz-Redakteurin Ulrike Herrmann dem Kapitalismus, der vor allem durch seinen Zwang zu Wachstum gekennzeichnet ist, zudem bescheinigt, dass er nicht durch eine weitere Finanzkrise gestoppt werden wird, sondern wohl erst zum Erliegen kommt, wenn alle Ressourcen aufgebraucht sind. Wobei sie als Hoffnungsschimmer anmahnte, dass endlich mehr Gelder in das Forschungsfeld Transformation von Wirtschaft und Gesellschaft fließen sollte. Denn Konzepte wie die Postwachstumsökonomie von Professor Niko Paech oder die Kreislaufwirtschaft sind ja längst vorhanden. Nur müssen notwendige Veränderungen eben von der Mehrheit zuerst erfasst, verstanden, dann wirklich gewollt und schließlich tatsächlich vorangebracht werden.

Wenn ich nun noch meine persönlichen Blickwinkel zu den in der Welt wirkenden Kräfte, die ich u.a. bei dem Spitzentreffen mit Herr Kulitz vom BWIHK und Minister Schmid vor einigen Wochen im Neuen Schloss zu Stuttgart intensiv bestätigt bekommen habe, hier ansetze, dann vernehme ich noch immer eine tiefe Kluft zwischen vielfältigen Ansprüchen und Wirklichkeiten. Die Themen Gleiche Entlohnung für gleiche Arbeit oder Vorstands-Quoten für Dax-Unternehmen sind hier nur sehr exponierte Beispiele.

Hinter all dem aber scheint letztlich zu stecken, dass die unausgeglichenen maskulinen Kräfte und Charaktereigenschaften, die die Geschicke der Welt seit Generationen zu lenken scheinen, und trotz großer Fortschritte im Miteinander der Geschlechter und somit der Polarität zwischen Frau und Mann, noch immer die Oberhand haben. Aus diesem ungesunden Kräfteungleichgewicht, wie es jeder halbwegs versierte Psychologe z.B. bei Paarproblemen diagnostizieren würde, ist dann auch leicht ableitbar, weshalb auch in den Spitzenetagen der Wirtschaft solche Beharrungskräfte wirken.
 
Denn das Kapital, samt seinen globalen Playern, es scheint noch immer männlich dominiert, und fließt eben mit oft gesellschafts- und umweltschädlichen Zins- und Renditeerwartungen auch bevorzugt nur zu jenen von uns davon Abhängigen, die sich seinem Diktat der Gewinnmaximierung unterwerfen, teils jenseits ganzheitlicher Verantwortung.

Ein spannendes Entwicklungsumfeld


Für die kommenden Jahrzehnte samt seinen Anpassungs- und Transformationsprozessen, die sich sowohl beim Einzelnen als auch in der Wirtschaft Vom Haben zum Sein auswirken sollten, stellt daher die Gemeinwohlökonomie mit seiner stetig wachsenden Zahl von freiwillig teilnehmenden Unternehmen ein ideales Umfeld dar, in welchem sich auch weitere Spitzenfrauen einfinden und hoffentlich wohlfühlen können, die zukünftig selbst auch immer noch ein wenig mehr auf persönliche Gemeinwohl- und damit ganzheitliche Verantwortung setzen möchten.

Der feminine Charakter der GWÖ spiegelt sich in seiner Ausprägung als ein Bilanzierungs-Werkzeug oder -Instrumentarium wieder, welches eine hohe Alltagstauglichkeit bezüglich der bewussten Entwicklung im Wirtschaftsumfeld hin zu immer konkreterem Schutz und Wahrung der Schöpfung für kommende Generationen aufweist. Das Christian Felber, der Gründer der GWÖ, nun dieses Jahr noch ein erweiterndes Buch mit dem Thema Spiritualität in der Wirtschaft herausbringen wird, mag nicht jede/n gleichermaßen ansprechen, zeigt aber in jedem Fall, wie eben auch in der GWÖ die Lebensanteile Körper, Geist und Seele langsam aber sicher wieder zu einem ausgeglichenen, gesunden Miteinander streben. Dies analog z.B. zur Medizin, mit ihren vielen neuen, doch teils ja uralten Alternativen (TCM, Ayurveda, Hildegard v.Bingen, uvm.) 

Wenn ich Sie mit meinen etwas anderen Betrachtungen nun also neugierig gemacht habe auf mehr sachlich Konkretes zur GWÖ, dann freuen sich Frau Miedl, Herr Viest und ich uns, Ihnen genau diese in den nächsten Tagen hier ausführlich vorstellen zu dürfen. Dazu wird es eine dreiteilige Einführung in die Gemeinwohlökonomie durch Herr Dr. Viest geben. (Hinweis - Dr. Viest wird im Übrigen am 17.Juni 2015 bei der IHK in Stuttgart für die Regionalgruppe der GWÖ einen Vortrag halten. Wenn es geklappt hat, sollten Ihnen über ihr Netzwerrk hier Einladungen zu der Veranstaltung zugegangen sein.)

Abschließen werden wir unsere GWÖ Vorstellung auf ihrem Portal hier dann durch ein Interview mit Frau Miedl von der Sparda-Bank München. Ihr Unternehmen ist eines der Pionierunternehmen in Sachen GWÖ in Deutschland.

Seien Sie nun also gerne gespannt, was in diesen 3 kleinen Buchstaben alles Spannendes und Großes stecken könnte.

Herzlichst, Ihr Markus Koch



Über den Autor dieses Blogbeitrags
Markus Koch, Jahrgang 1972, ist gelernter Informatikkaufmann. Nach einem Quereinstieg in den Bereich professionelle Reisebegleitung und Alltagsassistenz hat er sich vor 5 Jahren selbstständig gemacht. Diverse soziale wie politische Engagements haben ihn zur GWÖ geführt, genau wie auch zu seinem aktuellen Sitz in der Vollversammlung der IHK Region Stuttgart. Seine persönliche Motivation führt ihn immer mehr einer ganzheitlichen Betrachtungs- und Lebensweise zu, mit einer klaren täglichen Handlungsverantwortung als konsumierendes Individuum, bei der immer mal wieder Verzicht eine Rolle spielt. Er versteht sich in seinem Umfeld auch als Netzwerker.

 



Unterstützer
Das Projekt wird durch das Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau Baden-Württemberg aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds (ESF) und des Landes Baden-Württemberg unterstützt.